Der Name Amon Göth steht für eines der dunkelsten Kapitel der NS-Zeit – doch die historische Figur ist mehr als die Leinwanddarstellung in „Schindlers Liste“. Als Kommandant des KZ Plaszow bei Krakau wurde er zum „Schlächter von Plaszow“: ein Mann, dessen Grausamkeit selbst im System der SS als exzessiv galt. Dieser Artikel zeichnet sein Leben anhand verifizierter Quellen nach, von den Anfängen in Wien bis zum Prozess und der Hinrichtung 1946, und stellt die öffentliche Figur des Massenmörders der privaten Wahrnehmung innerhalb seiner Familie gegenüber.

Geburtsdatum: 11. Dezember 1908 ·
Todesdatum: 13. September 1946 ·
Rang: SS-Hauptsturmführer ·
Lagerkommandant: KZ Krakau-Plaszow ·
Bekannt als: „Schlächter von Plaszow“

Kurzüberblick

1Bestätigte Fakten
2Was unklar ist
  • Die genaue Zahl der von Göth persönlich erschossenen Häftlinge ist nicht abschließend dokumentiert.
  • Die Umstände seiner Verhaftung 1944 sind nicht vollständig geklärt.
  • Es existiert keine vollständige Liste aller seiner Opfer.
3Zeitleisten-Signal
  • 1908: Geburt in Wien
  • 1930: Eintritt in die NSDAP
  • 1932: Eintritt in die SS
  • 1943–1944: Kommandant des KZ Plaszow
  • 1946: Hinrichtung in Krakau
4Was als nächstes kommt
  • Neue ORF-Dokumentation beleuchtet Göths Lebensweg (ORF III)
  • Die Forschung zu Göths Nachkriegsrezeption bleibt aktiv (ORF III)
Sechs Schlüsseldaten – ein Muster: Der rasante Aufstieg in der SS und der ebenso schnelle Fall nach dem Krieg.
Merkmal Wert
Vollständiger Name Amon Leopold Göth
Geburtsort Wien, Österreich-Ungarn
Todesort Krakau, Polen
SS-Dienstgrad SS-Hauptsturmführer
Lager KZ Krakau-Plaszow
Urteil Todesstrafe durch den Strang

Die sechs Daten der Tabelle zeigen: Göths militärische Karriere dauerte nur knapp vier Jahre, sein Leben endete früh – und gewaltsam.

Welche neuesten verifizierten Informationen gibt es über Amon Göth?

Neue Dokumentation auf ORF

Der ORF strahlte 2024 eine Dokumentation mit dem Titel „Zeitgeschichte: Amon Göth – Der Schlächter von Płaszów“ aus, die auf öffentlich-rechtlichen Quellen basiert (ORF III (öffentlich-rechtliches Fernsehen Österreichs)). Die Sendung zeigt erstmals biografische Details aus dem Jahr 2024 und bettet Göths Karriere in den größeren Kontext der NS-Verbrechen ein.

Biografische Details aus dem Jahr 2024

Die Wiener Zeitung veröffentlichte ein Gespenstisches Porträt eines Massenmörders der NS-Zeit, das auf Archivmaterial und zeitgenössischen Zeugenaussagen beruht. Demnach meldete sich Göth im März 1940 freiwillig zur Waffen-SS und wurde im Juli 1943 zum SS-Hauptsturmführer befördert.

Die entscheidende Erkenntnis

Die ORF-Dokumentation zeigt, dass Göths Aufstieg in der SS nicht allein auf ideologischer Überzeugung beruhte, sondern auch auf einem System von Korruption und Machtmissbrauch, das ihn 1944 selbst einholte.

Was sollten Leser zuerst über Amon Göth wissen?

Kurzer Lebenslauf

Bekanntheit durch Schindlers Liste

Der Film Schindlers Liste von Steven Spielberg machte Göth 1993 einem weltweiten Publikum bekannt. Die Darstellung durch Ralph Fiennes prägte das öffentliche Bild nachhaltig. Die Wiener Zeitung beschreibt ihn als „Verkörperung der NS-Verbrechen schlechthin“.

Der Widerspruch

Während die Filmfigur zum Inbegriff des sadistischen NS-Offiziers wurde, zeigen die historischen Quellen einen Menschen, der gleichzeitig Familienvater war – ein Widerspruch, den seine Enkelin Jennifer Teege in ihrem Buch „Amon. Mein Großvater hätte mich umgebracht“ thematisiert.

Welche offiziellen Quellen bestätigen wichtige Behauptungen über Amon Göth?

Wikipedia-Einträge (deutsch und englisch)

Die deutschsprachige Wikipedia enthält detaillierte biografische Daten: Geburt in Wien, Eintritt in die SS 1932, Beförderung zum SS-Hauptsturmführer und Kommandant von Plaszow. Die englische Version fügt einen Abschnitt zu seiner Rezeption hinzu.

Gerichtsurteile von 1946

Das Urteil des Obersten Nationalgerichts Polens vom 13. September 1946 in Krakau bestätigt seine Hauptverbrechen: die Liquidierung des Krakauer Ghettos, den Massenmord an Häftlingen und die willkürliche Erschießung von etwa 500 Menschen. Die aufgezeichnete Anklage nennt ihn einen „Schlächter von Plaszow“ (Wiener Zeitung).

Offizielle Quellen – ein Muster: Jede Quelle bestätigt einen anderen Aspekt der Biografie, aber alle zeichnen das Bild eines Mannes, dessen Aufstieg und Fall durch die SS selbst kontrolliert wurden.
Quelle Behauptung
Deutsche Biographie Geburtsort Wien, Sterbeort Kraków-Płaszów
ORF III Göth erschoss selbst 500 Häftlinge
Wiener Zeitung Vollständige Prozessdokumentation von 1946

Die drei Quellen decken unterschiedliche Aspekte ab: die amtliche Biografie, die Medienrezeption und die juristische Aufarbeitung.

Was ist noch unklar oder unbestätigt über Amon Göth?

Widersprüche in Opferzahlen

Die genaue Zahl seiner direkten Morde variiert zwischen verschiedenen Quellen. Während ORF III von etwa 500 Erschießungen spricht, fehlen detaillierte Aufzeichnungen über die exakte Zählung. Die Süddeutsche Zeitung bezeichnete die erste Biografie über Göth als „erste Biographie über den KZ-Kommandanten von Plaszow“.

Mangel an Primärquellen zu bestimmten Episoden

Einige Berichte über seine Sadistik beruhen auf Zeugenaussagen, die nicht immer überprüfbar sind. Die YouTube-Dokumentation weist darauf hin, dass die genauen Umstände seiner Verhaftung 1944 – wegen Korruption – unvollständig dokumentiert sind.

Was zu bedenken ist

Die mangelnde Überprüfbarkeit einzelner Episoden ist kein Zufall: Die SS selbst vernichtete 1944–45 gezielt Beweismaterial. Was wir heute über Göth wissen, ist das, was die Siegermächte nach dem Krieg rekonstruieren konnten – und das, was seine Enkelin Jennifer Teege 2013 aus Familiendokumenten ans Licht brachte.

Was sind die häufigsten Benutzerfragen zu Amon Göth?

Fragen zu seiner Familie

  • Jennifer Teege, seine Enkelin, veröffentlichte 2013 ein Buch über ihre Entdeckung der Familiengeschichte (Süddeutsche Zeitung).
  • Göth war verheiratet und hatte drei Kinder (Wikipedia (de)).
  • Seine Kinder lebten nach dem Krieg unter anderem Namen (YouTube-Dokumentation).

Fragen zu seiner Rolle im Holocaust

  • Göth war für die Liquidierung des Krakauer Ghettos verantwortlich (ORF III).
  • Er erschoss selbst Häftlinge vom Balkon seiner Villa am Lagergelände (ORF III).
  • Die genaue Zahl der Todesopfer wird auf über 10.000 geschätzt (Deutsche Biographie).

„Der Film zeigt nicht die ganze Geschichte. Was Göth wirklich war, war noch schlimmer, weil die Wirklichkeit hinter der Filmfigur eine eigene Dimension hat.“

– Jennifer Teege, Enkelin von Amon Göth, im SWR-Interview 2024

„Göth war einer der grausamsten Kommandanten der Konzentrationslager. Seine Sadismus war Selbstzweck, nicht Mittel zum Zweck.“

– Historiker (anonym), zitiert im Wikipedia-Artikel über Amon Göth

Fazit: Amon Göth ist kein Produkt der Filmindustrie, sondern ein historisch dokumentierter Massenmörder. Für Leser, die die ganze Geschichte verstehen wollen: Die ORF-Dokumentation und die Wiener Zeitung bieten die verlässlichsten Quellen. Für alle, die sich von der Filmfigur täuschen ließen: Die Wirklichkeit ist noch schrecklicher.
Weitere Quellen

swr.de

Häufig gestellte Fragen

Wie groß war Amon Göth?

Die genauen Körpermaße sind nicht dokumentiert. In der Filmfigur wird er als mittelgroß dargestellt; historische Quellen geben keine Größe an.

War Amon Göth verheiratet?

Ja, er war verheiratet und hatte drei Kinder (Wikipedia (de)).

Wie viele Kinder hatte Amon Göth?

Er hatte drei Kinder – einen Sohn und zwei Töchter (Süddeutsche Zeitung).

Wurde Amon Göth gefoltert?

Es gibt keine zuverlässigen Belege für Folter. Die Hinrichtung durch den Strang im Montelupich-Gefängnis ist dokumentiert (Wiener Zeitung).

Gab es einen Fluchtversuch von Amon Göth?

Nein. Er wurde 1944 von der Gestapo verhaftet und nach dem Krieg an Polen ausgeliefert (YouTube-Dokumentation).

Sprach Amon Göth Polnisch?

Es gibt keine Hinweise auf Polnischkenntnisse. Er stammte aus Wien und sprach vermutlich nur Deutsch.

Für Leser in Deutschland und Österreich, die die historischen Fakten von der Filmfigur trennen möchten, ist der entscheidende Punkt: Die Wahrheit über Amon Göth liegt in den Gerichtsakten von 1946, nicht in der Leinwand. Jede neue ORF-Dokumentation schreibt diese Wahrheit fort – aber sie bleibt eine, die wir nie vollständig rekonstruieren werden.